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Einleitung
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Als die "Königlich Chirurgische Klinik" 1891 an der Nußbaumstraße ihre Tore für Kranke und Studenten öffnete, leitete Ottmar von Angerer seine Rede anläßlich der Eröffnungsfeier mit den Worten ein:
"An den großartigen Fortschritten, die gesamte medizinische Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten errungen hat, nimmt die Chirurgie den hervorragendsten Anteil. In wenigen Jahren hat sie die gewaltigste Umwälzung erfahren, die je in der Geschichte der Medizin verzeichnet worden ist, und ihre ungeahnten operativen Erfolge verdankt sie in erster Linie der Erkenntnis derjenigen Ursachen, die eine Störung der Wundheilung bedingen."
Die Begeisterung Ottmar von Angerers ob der Errungenschaften der Medizin war berechtigt, lagen doch erst wenige, für München gerade anderthalb Jahrzehnte zurück, daß das Mittelalter überwunden war und der Aufbruch in die Neuzeit begann.1874 wurden 80 % aller im Münchener Stadtkrankenhaus behandelten komplizierten Frakturen, Muskelzerreißungen, Geschwüre, sogar Nagelgliedabsetzungen vom tödlichen "Hospitalbrand" befallen, ehe Johann Nepomuk von Nußbaum unter konsequenter Anwendung der Lister'schen Antiseptik mit Karbolsäure vermerken konnte:
"Mancher komplizierte Unterschenkelbruch, der früher am 8. bis 14. Tag gestorben wäre, liegt jetzt 60 bis 80 Tage auf der Abteilung, verläßt aber das Spital lebend, geheilt und arbeitsfähig."
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100 Jahre bewegter und bewegender Medizingeschichte liegen nun dazwischen und wir wagen zu behaupten, das nun vergangene Jahrhundert hat in Umfang und Geschwindigkeit die Medizin und ihre Teilgebiete in einem die menschliche Vorstellungskraft weit übersteigenden Ausmaß verändert. Das vorherrschende Kennzeichen der Welt, in der wir leben, ist die beständige Veränderung. Diese Veränderung erfaßt alle Bereiche des menschlichen Daseins. Beispiele aus der Medizin von heute, wie Organtransplantation, mikrovaskuläre Replantation, Herzschrittmacher, Intensivmedizin, Lasertechnik, Computertomographie und Magnetresonanz sind nur wenige, aber beredte Zeugnisse der Veränderung. Wohl kein Gebiet der Chirurgie ist auszuklammern, in welchem nicht im Laufe des Jahrhunderts aus der Chirurgischen Klinik an der Nußbaumstraße Impulse gegeben, Schrittmacherdienste geleistet und für die jeweilige Zeit der höchste Standard chirurgisch therapeutischer Möglichkeiten geboten wurde.
100 Jahre Chirurgiegeschichte sind Anlaß genug für Rückschau und Ausblick. Die nachfolgende kurze Historie gibt Einblick in die Geschichte unseres Hauses und in die Welt der Persönlichkeiten, welche die Klinik prägten.

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100 Jahre Chirurgische Universitätsklinik an der Nußbaumstraße in München
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Die Chirurgische Universitätsklinik an der Nußbaumstraße in München beging 1991 ihren 100. Geburtstag. Am 25. April 1891, von Nepomuk von Nußbaum initiiert und konzipiert, von seinem Nachfolger, Ottmar von Angerer, vollendet und über die ersten 28 Jahre ihres Bestehens geleitet, konnte die Klinik ihre Tore für die Patienten Münchens und des breiteren Umlandes und für die Studenten der Universität öffnen.
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Hervorgegangen aus dem 1813 entstandenen Städtischen Allgemeinen Krankenhaus links der Isar an der späteren Ziemssenstraße wurde die Klinik zu einem Glied in der deutschen und internationalen Chirurgie, das nahezu alle Gebiete und Teilgebiete der Chirurgie über die Jahrzehnte mit beeinflusste.

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Chirurgie im Europa des beginnenden 19. Jahrhunderts
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Das Jahr 1813, Gründungsjahr des Allgemeinen Krankenhauses, war, soweit es die Chirurgie betraf, im deutschen Raum und so auch in München geprägt vom 18.Jh. Über die Situation der chirurgischen Disziplin des 18. Jhd. gibt G. Fischer (1876) folgende Beschreibung:
"Der deutsche Wundarzt des 18.Jhs. oder vielmehr der Herr Barbier, denn der Weg zur praktischen Chirurgie führte fast ausnahmslos durch die Barbierstube, war im allgemeinen von einer haarsträubenden Unwissenheit und Roheit. Das kann indes nicht Wunder nehmen, sobald man seine trostlose Erziehung kennt, die sich von der eines beliebigen Handwerkers gar nicht unterscheidet. War in den niederen Ständen ein Junge zum Barbier bestimmt, so wurde er, nachdem er in der Volksschule kaum deutsch lesen und schreiben gelernt hatte und eingesegnet war, bei einem Wundarzt in die Lehre gegeben...."
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Unter solchen Verhältnissen stand die soziale Stellung der Wundärzte notwendigerweise auf einer der niedrigsten Stufen. Noch in der Mitte des Jahrhunderts hielt man die Ausübung der Chirurgie kaum für die Sache eines ehrlichen Mannes und erlaubte weder Barbier noch Apothekergesellen einen Degen zu tragen. Der Wundarzt mußte auf jede bessere Gesellschaft verzichten und wurde im Dunstkreis der Ärzte nicht geduldet. Wollte der Deutsche gründlich Chirurgie betreiben, was ihm in seinem Vaterland kaum oder gar nicht möglich war, dann mußte er nach Frankreich oder England gehen. In Deutschland, wo die Magister der Chirurgie nicht recht heimisch wurden, fehlte dagegen der Masse der Chirurgen jegliches wissenschaftlich- systematische Element. Es gab keine wie in Frankreich oder England vergleichbare wissenschaftlich-chirurgischen Vereinigungen, keine vergleichbar herausragende medizinische oder gar chirurgische Persönlichkeit.

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Chirurgie am Städtischen allgemeinen Krankenhaus links der Isar
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Zunächst waren es zwei Chirurgen, die der Medizin unterstellt, am Städtischen Allgemeinen Krankenhaus tätig waren, und zwar Andreas Koch und Philipp Wilhelm. Am 1. September 1813 wurde das neue öffentliche Krankenhaus eröffnet. Über die Besetzung der chirurgischen Abteilung erfahren wir:
"Als Oberwundarzt des Krankenhauses, welcher zugleich im legalen Verhinderungsfalle des dirigierenden Arztes die Geschäfte desselben übernimmt, bestätigen wir den Professor der Chirurgie, Dr. Andreas Koch, mit einem Funktionsgehalt von 80 Talern."
Nachdem er von 1813 an die Stelle des chirurgischen Oberarztes im Allgemeinen Krankenhaus versah, wurde er am 28. Mai 1827 plötzlich auf aller höchsten Befehl entlassen. Ihm folgte Philipp Wilhelm (geb. 1798 in Würzburg). Wilhelm galt in der Stadt als überaus geschickter Operateur, der große Erfolge zu verzeichnen hatte.
"Er besaß eine überaus heitere und offene Art, die ihm nicht nur viel Freunde, sondern die größte Verehrung der Münchener Bevölkerung eintrug", wie nachzulesen ist.
Mit Philipp Franz von Walther (1782-1849) wurde 1830 der erste Chirurg von auswärts berufen. Er galt damals unbestritten als der erste deutsche Chirurg und Augenarzt. Nur nach langem Bemühen gelang es, Walther für München zu gewinnen, wo er allerdings weder Verständnis noch Entgegenkommen fand. Viel zitiert ist sein Ausspruch:
"An der Isar gedeiht die Chirurgie nicht."
Nur kurze Zeit vom 1. Februar 1841 bis 30. September 1842 leitete Georg Friedrich Louis Stromeyer aus Hannover die chirurgische Abteilung. König Ludwig I. beauftragte aus eigener Initiative Stromeyer mit der Leitung der Münchener chirurgischen Abteilung, die nach dem Weggang von Walther gänzlich an Bedeutung verloren hatte. Doch der Aufenthalt Stromeyers in München währte nur kurz. Intrigen an der Fakultät und in der Stadt ließen ihn wenig heimisch werden, so daß er, als er weiter nach Tübingen und Freiburg wechselte. Stromeyer schreibt:
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Das Städtische Allgemeine Krankenhaus links der Isar, heute die Medizinische Klinik in der Ziemssenstraße
"Wenn ich mir zu vergegenwärtigen suche, welche väterlichen Lehren auf mich am meisten Eindruck gemacht haben, so sind es die folgenden drei Sätze: Man muß immerfort studieren, aber nicht alle Dummheiten mitmachen, Man muß mit Kranken und Verletzten Teilen umgehen, als ob sie von Glas und nicht als ob sie von Holz wären. Mit den Kollegen muß man in guten Einvernehmen stehen, dies erfordert nicht bloß der Anstand sondern auch unser eigener Vorteil."
Nach einem kurzen Interregnum durch Johann Forster, über welches es keine besonderen Bemerkungen gibt, übernahm Franz Christoph von Rothmund (geb. 1801) im Jahre 1843 die chirurgische Abteilung. Er galt als ausgezeichneter Operateur. Unter seiner Leitung stieg die Zahl der Operationen enorm an. Wahrscheinlich war von Rothmund der erste deutsche Chirurg, der an Tieren Versuche mit Äther unternahm. Daß er das Narkotikum auch an Menschen ausprobierte, ist gesichert. Dies geschah am 23. Januar 1847 im Allgemeinen Krankenhaus.
Es trat schließlich ein regelrechter Wettlauf ein: Am folgenden Tage führte Johann Ferdinand Heyfelder in Erlangen eine Operation in Äthernarkose aus und am Tag darauf entfernte von Rothmund in München bei einem 24jährigen Mädchen in Äthernarkose Konkremente aus einer Halsfistel.
"Die Zeit, wo der Chirurg zu einer Amputation neun Gehilfen benötigte, seinen Stolz darein setzte, sie in 10 Stunden zu vollenden, wo der Kranke sich vor und während der Operation höchst Ungestüm ertrug, war vorbei."
Im gleichen Jahre folgte die Entdeckung von Chloroform durch James Simpson.

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1859 wurde die chirurgische Abteilung am Städtischen Allgemeinen Krankenhaus noch einmal geteilt und die zweite Abteilung durch Johann Nepomuk von Nußbaum besetzt. Nußbaum, am 2. September 1829 in München geboren, erhielt nach Studien in Würzburg, vor allem bei Virchow, und in Berlin bei Langenbeck, 1859 einen Ruf nach Zürich, der Veranlassung bot, ihn in München zu halten. Ernst von Bergmann schreibt über Nußbaum, den er 1865 in München besuchte:
"Ein kühner und genialer Operateur, ein klinischer Lehrer von hinreißender Beredsamkeit, ein Meister in der Kunst, auch einen spröden Stoff fesselnd darzustellen, dabei human und von bestrickender Liebenswürdigkeit."
Ende der sechziger Jahre ging Nußbaum nach London zu Spencer Wells. Er führte in München die dort gesehene Ovariotomie ein. Zwischen die beiden Kriege 1866 und 1870 fallen die ersten Anwendungen, 1874 die definitive Einführung der Lister'schen Methode der Antiseptik mit Karbolsäure, die Nußbaum zu den ersten begeisterten Anhängern zählte und für die Nußbaum im deutschen Sprachraum unermüdlich wirkte.
Trendelenburg berichtet über eine Mitteilung Nußbaums auf dem Chirurgenkongreß:
"1875 machte Nußbaum eine Mitteilung über den Hospitalbrand, die Listers Angaben über die Wirksamkeit seines Verfahrens gegenüber dieser Wundkrankheit bestätigte und jetzt besonders von Interesse ist, weil sie zeigt, wie es damals in manchen Hospitälern aussah. Im Münchener Stadtkrankenhaus wurden im Jahre 1872 26%, 1873 50% und 1874 80% aller Geschwüre und Wunden vom Brand befallen. Gegen die Pyämie, die mehr als die Hälfte aller an den Knochen Operierten hinweggerafft hat, bis Nußbaum sich entschloß, jede frische Sägefläche mit dem Glüheisen zu behandeln, erwies sich als weniger wirksam, so daß Nußbaum wieder zum Brennen überging. Man darf übrigens nicht glauben, daß die hygienischen Verhältnisse in den meisten Hospitälern so traurig gewesen seien wie in den Münchener nach Nußbaums Schilderung."

Aseptischer Operationssaal der Chirurgischen Klinik um 1928
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Johann Nepomuk von Nußbaum
Nußbaums Leitfaden der antiseptischen Wundbehandlung wurde in fünf Sprachen übersetzt. In zahlreichen weiteren Schriften hat er sich mit der Antiseptik auseinandergesetzt. Er schreibt u. a.:
"Die Aufenthaltszeit ist natürlich jetzt (nach Einführung der antiseptischen Wundbehandlung) bei Operationswunden und bei Verletzungen, welche aseptisch in unsere Hände kommen, eine ganz außerordentlich kurze gegen früher, allein die Durchschnittsaufenthaltszeit hat zum Staunen Vieler trotz dieser günstigen Heilweise nicht abgenommen. Dieses Rätsel läßt sich aber einfach dadurch, daß Schwerverletzte, komplizierte Frakturen, stark eiternde Knochenhautentzündungen, große Muskelzerreißungen usw., welche sonst alle wenige Tage nach ihrer Aufnahme pyämisch starben, jetzt durch eine langdauernde sorgfältige Pflege am Leben erhalten werden. Mancher komplizierte Unterschenkelbruch, der früher am 8 -14. Tag gestorben wäre, liegt jetzt 60 - 80 Tage auf der Abteilung, verläßt aber dann das Spital lebend, geheilt und arbeitsfähig."
Nepomuk von Nußbaum starb am 31. Oktober 1890. Er hinterließ fast 100 Originalarbeiten, alle originell in Gedanken und Ausdrucksform, viele für ihre Zeit bahnbrechend. Die Chirurgie in München erlangte durch ihn nationale und internationale Geltung.

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Chirurgische Klinik an der Nußbaumstraße
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Im Archiv des Krankenhauses links der Isar finden wir unter dem Datum vom 10. Mai 1860 zu Zeiten des Direktorates Nußbaums in einem Brief an den Stadtmagistrat erstmals die Frage erörtert, ob nicht die ganze chirurgische Abteilung aus dem Krankenhaus entfernt und ein neues Gebäude errichtet werden sollte. Es heißt hier:
"Zuverlässigen Nachrichten zufolge ist die Sterblichkeit unter den Operierten des Krankenkhauses sehr groß. Operationen welche außerhalb des Krankenhauses vorgenommen, gewöhnlich gut endigen, gehen aber womöglich im Krankenhaus tödlich aus und selbst ganz und bedeutende chirurgische Krankheiten, wie die Absetzung des Nagelgliedes, haben dort schon den Tod infolge der Pyämie herbeigeführt."
Als Bauplatz wurde der Grund des Seitzschen Anwesens zwischen Krankenhausstraße und Findlingstraße (spätere Nußbaumstraße und Pettenkoferstraße ) vorgeschlagen. Am 29. Oktober 1889 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau eines chirurgischen Institutes (Königlich Chirurgische Klinik). Die Bausumme belief sich auf 398.400 Mark und schon am 25. April 1891 konnte der Bau dank der "umsichtigen Leitung des Herrn Oberbaurates von Zenetti und der tätigen ersprießlichen Mithilfe des Bauführers Schwab" seiner Bestimmung übergeben werden.
Nachfolger von Nußbaum wurde Professor Ottomar von Angerer (1850-1918), der von 1890-1918 die Leitung der chirurgischen Klinik innehatte. Als Schüler Ernst von Bergmanns wurde er zunächst als Extraordinarius Vorstand der Chirurgischen Poliklinik in München und 1890 Nachfolger Nußbaums. Die neuerrichtete Chirurgische Klinik erreichte nach den Schilderungen von Angerers schließlich eine Bettenzahl von 400, verfügte über zeitgemäße Sterilisationseinrichtungen, Operationssäle und andere technische Anlagen, u.a. wurden alle Klinikgebäude mit elektrischem Strom versorgt.
1896 wurde die Nachricht von der Entdeckung der Röntgenstrahlen bekannt. Von Angerer beauftragte seinen Assistenten Rudolf Grashey (1876-1950) mit der Erprobung des neuen Verfahrens und bereits im April 1896 konnte unter Angerers Präsidium im Ärztlichen Verein über die Ergebnisse der ersten Röntgenuntersuchungen in München berichtet werden. Angerer, 1913 Präsident der 42. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, starb 1918 kurz nach seiner Emeritierung.
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Historischer Plan der Chirurgischen Universitätsklinik an der Nußbaumstraße
Ottomar von Angerer machte sich besondere Gedanken zum studentischen Unterricht. Er schreibt u. a.:
"Um eine genaue Beobachtung des Kranken zu ermöglichen, wurde früher der klinische Unterricht in den Krankensälen selbst abgehalten. Der Lehrer ging mit den Schülern von Bett zu Bett, von Saal zu Saal."
Unseres Wissens war es Schönlein in Würzburg, der etwa 70 Jahre davor die praktische Unterweisung der Studenten am Krankenbett einführte.
"Bei einer so großen Zahl von Klinizisten ist es nicht möglich, dieses Verfahren durchzuführen. Der klinische Unterricht muß sich in dem Hörsaal abspielen, wo alle gut hören und gut sehen können. Deswegen müssen die Hörsäle so angelegt sein, daß die Vorstellung von Kranken erleichtert wird. Der Hörsaal bildet den Kristallisationspunkt des ganzen Gebäudes, alle anderen Räume sind ihm gegenüber von untergeordneter Bedeutung und gliedern sich ihm an. Nur so ist es möglich, den mannigfachen Anforderungen zu entsprechen, die an den Hörsaal und Operationssaal gestellt werden."
Zu jener Zeit wandte man sich also ab vom Unterricht am Krankenbett, was unser medizinisches Ausbildungssystem noch nachhaltig beeinflussen sollte.

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Als Nachfolger von Angerer wurde Ferdinand Sauerbruch (1875-1951) aus Zürich berufen, wo er bereits mit 35 Jahren den Lehrstuhl für Chirurgie eingenommen hatte. Bereits 1904 hatte er seinen Versuch über die pneumatische Kammer veröffentlicht und damit den Weg zur modernen Thoraxchirurgie bereitet. In den von Hunger und wirtschaftlichem Elend geprägten Nachkriegsjahren verfaßte Sauerbruch den zweiten Band der "Chirurgie der Brustorgane", in welchem die Chirurgie des Herzens und der großen Gefäße sowie der Mediastinalorgane abgehandelt ist. Als Sauerbruch die Münchener Klinik 1928 verließ, hatte sie einen internationalen Ruf allerersten Ranges. Unter seiner Leitung wurde die Klinik um den Westflügel erweitert, der 1922 in Betrieb genommen wurde. Auf diese Weise wurde die Klinik um zwei große Operationssäle erweitert einschließlich der berühmten Unterdruckkammer. Außerdem wurde eine experimentell-chirurgische Abteilung mit Tierlaboratorien eingerichtet sowie eine orthopädische Werkstatt (DERSA = Deutsche Ersatzglieder Werkstätte Sauerbruch).
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Ferdinand Sauerbruch

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Mit Erich Lexer (1867-1937) übernahm im Frühjahr 1928 ein Schüler Ernst von Bergmann die Leitung der Klinik. Dem Lehrstuhl in München gingen solche in Königsberg, Jena und Freiburg bereits voraus. Mit Lexer übernahm eine der bedeutendsten Persönlichkeiten auf dem Gebiete der plastischen Chirurgie die Klinik. Seine Monographien "Die freien Transplantationen", "Wiederherstellungschirurgie", deren erweiterte zweibändige Fassung "Die gesamte Wiederherstellungschirurgie" haben heute noch wissenschaftliche und literarische Geltung. So wurde unter Erich Lexer die Klinik zu einem internationalen Schwerpunkt auf dem Gebiete der rekonstruktiven Chirurgie. Unter seiner kraftvollen Leitung wurde die Klinik auf 500 Betten erweitert. Täglich wurden 200 ambulante Patienten betreut. Kurz vor Vollendung seines 70. Geburtstages suchte Erich Lexer um die Emeritierung nach.
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Erich Lexer |
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Im Herbst 1936 folgte Georg Magnus (1883-1942) auf den von Erich Lexer freigemachten Lehrstuhl. Magnus ist bekannt geworden als Unfallchirurg und hier speziell durch seine Behandlung der Wirbelsäulenverletzung.
Mit Emil Karl Frey (1888-1977), Ordinarius für Chirurgie in Düsseldorf seit 1930, übernahm am 01.03.1943 ein Schüler Sauerbruchs die Klinik. Trotz der bereits sich abzeichnenden Kriegszerstörungen, im September 1943 erlitt die Klinik die ersten Bombenschäden, entstanden aus der Feder von E. K. Frey und seinen Schülern wichtige Beiträge zur Chirurgie des Herzens, zu den Operationen an Lunge und Brustwand und zu den bösartigen Lungengeschwülsten.
Die chirurgische Forschung wurde durch E. K. Frey auf biochemischem Gebiet ungemein bereichert. Durch seine zusammen mit Kraut und Werle gemachte Entdeckung des körpereigenen Wirkstoffes Kallikrein wurde eine weltweite Proteasenforschung eingeleitet, die heute einen wesentlichen Bestandteil chirurgischer Schock- und Gerinnungsforschung ausmacht.
Die zunehmenden schweren Luftangriffe und Zerstörungen zwangen den Klinikbetrieb in die Kellerräume und in den Operationsbunker. 1944 wurde die Verlegung der Klinik ins herzogliche Schloß nach Tegernsee eingeleitet. Durch den verheerenden Luftangriff am 17. Dezember 1944 war das chirurgische Spital vernichtet und die Klinik unbrauchbar geworden.
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Lediglich Operationsbunker und Schwesternhaus blieben verschont. Zwar folgte 1949 der Wiederaufbau der Westseite der Klinik, nicht jedoch des ehemaligen chirurgischen Spitals, auf dessen Grundmauern das neue Pettenkofer Institut entstand.
E. K. Frey hatte im operativ-klinischen Bereich der deutschen Thoraxchirurgie zu Weltgeltung verholfen und die biochemische Forschung in der Chirurgie initiiert. Maßgeblich hat er auch mitgewirkt an der Spezialisierung gewisser chirurgischer Fächer wie Neurochirurgie, Anaesthesie und Urologie, die später unter seinem Nachfolger zu Ordinariaten erhoben wurden. Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie sprach er 1951 zwar "von der großen Sorge um die Zersplitterung unseres Faches". Er konstatierte allerdings auch, daß eine gewisse Einseitigkeit und Spezialisierung nicht nur unvermeidlich, sondern auch sehr sinnvoll sein kann, wenn sie von den richtigen Leuten am richtigen Ort und mit tiefstem Ernst geübt wird. Mit E. K. Frey trat 1958 einer der größten Chirurgie Lehrer von der aktiven Bühne ab. Noch im Alter von 85 Jahren wurde ihm die Ehre zuteil, in das Kapitel des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaft und Kunst aufgenommen zu werden. Er starb am 6. August 1977, 89jährig auf seinem Hof am Tegernsee.

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Mit der Übernahme des chirurgischen Lehrstuhls durch Rudolf Zenker (1903-1983) am 01.10.1958 wurde die Chirurgische Klinik baulich und funktionell neu gegliedert. An der Schillerstraße entstand ein Neubau für Herz- und Thoraxchirurgie. Im Laufe der Jahre wurden die Spezialgebiete Herz und Thoraxchirurgie unter W. Klinner, die Urologie unter E. Schmiedt, die Anaesthesie unter R. Beer und die chirurgische Forschung unter W. Brendel zu Lehrstühlen erhoben. Galt seinem Vorgänger noch die Erhaltung des Gesamtfaches Chirurgie als wesentlicher Bestandteil seines chirurgischen Strebens, so suchte Zenker, in der Förderung der Spezialgebiete die Chirurgie den modernen Erfordernissen anzupassen. So entstanden auch Teilgebiete, wie Gefäßchirurgie, Plastische Chirurgie, Handchirurgie und nicht zuletzt die Transplantationschirurgie. Durch die überzeugende Persönlichkeit Rudolf Zenkers wurde die Entwicklung der Chirurgie in Deutschland zu Spezial- und Teilgebieten nachhaltig beeinflusst, wobei in erster Linie der Entwicklung der deutschen Herzchirurgie das Interesse von Rudolf Zenker galt.
Die Gesamtplanung für den Wiederaufbau der Universitätskliniken in München nach dem zweiten Weltkrieg und den verheerenden Zerstörungen, welche dieser Krieg zurückließ, reichen bis ins Jahr 1953 zurück. Nach mehreren Wettbewerben und Gutachten beschloß der bayerische Ministerrat am 16. August 1965, die Neubauten der Kliniken am südwestlichen Stadtrand beim Ortsteil Großhadern zu errichten. Nach langwierigen Vorbereitungen und Abänderungen wurde am 12.06.66 der vorliegenden Planung zugestimmt, der Baubeginn des zentralen Bettenhauses war 1967.
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Rudolf Zenker
Nach Ausscheiden von Rudolf Zenker wurde Georg Heberer, vormals Ordinarius für Chirurgie in Köln, am 01.04.73 auf den chirurgischen Lehrstuhl der Universität München berufen.
Im Sommer 1978 erfolgte die Verlegung der Chirurgischen Klinik in das Klinikum Großhadern, während gleichzeitig durch den Ministerrat der bayerischen Staatsregierung die Wiederbesetzung des Lehrstuhls an der Nußbaumstraße beschlossen wurde.

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