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Varusgonarthrose (O-Bein)
Valgusgonarthrose (X-Bein)

 

Varusgonarthrose

Was ist das?

Es handelt sich um eine schmerzhafte Abnützung des Kniegelenks (Gonarthrose), die bedingt durch eine O-Bein Stellung (Varus) (Abb. 1) die Innenseite des Gelenks betrifft.

Abb. 1: O-Bein Fehlstellung beim Jogger

Entstehung

Eine O-Bein-Achsenfehlstellung des Beines kann angeboren sein oder nach Unfällen bzw. Operationen entstehen. Ein sehr häufiger Auslöser ist auch eine Teil- oder komplette Entfernung des Innenmeniskus oder ein innenseitiger Knochenschaden.

Durch die O-Bein-Achsenfehlstellung wird das Knie nicht mehr gleichmäßig belastet. Das Körpergewicht wird nicht mehr durch die Mitte des Kniegelenks auf den Boden übertragen, sondern es kommt zu einer übermäßigen Belastung des innenseitigen Kniegelenkanteils. Es kommt zum Knorpelverschleiß und dadurch zu einer weiteren Beinachsenfehlstellung mit noch größerer Belastung und Abnützung des schon geschädigten Knorpels (Abb. 2).


Abb. 2: Verschleiß des innenseitigen Kniegelenkanteils mit Gelenkspaltverschmälerung und zunehmender Belastung des schon geschädigten Gelenkanteils (weiße Pfeile)

Symptome

Typisch für eine O-Bein Arthrose sind Kniegelenksschmerzen bei Belastung, morgendliche Anlaufschmerzen und Wetterfühligkeit auf der Knieinnenseite.

Diagnose

Meist kann die Diagnose schon durch die geschilderten Symptome und durch eine gründliche körperliche Untersuchung gestellt werden. Ausschlaggebend ist jedoch eine Röntgenaufnahme des betroffenen Beines im Stehen (Abb. 3). Damit kann das Ausmaß der Fehlstellung genau bestimmt und eine Operation präzise geplant werden.


Abb. 3: Röntgen-Ganzbeinstandaufnahme eines Freizeitfußballers mit Zustand nach Innenmeniskus-Teilentfernung und Z.n. vorderer Kreuzbandplastik jeweils links. Die rote Gerade zeigt die mechanische Achse des betroffenen linken Beines. Die Gerade schneidet das Kniegelenk auf der überlasteten Innenseite.


Therapie

Mit einer Umstellungsoperation wird die übermäßige Last vom kranken Gelenkanteil zum gesunden Gelenkanteil verlagert. Vor der Operation steht die millimetergenaue Planung der OP auf dem Zeichenbrett (Abb. 4).

Abb 4: Millimetergenaue zeichnerische Planung der Umstellungsoperation

Bei Korrektur eines O-Beins wird der Schienbeinknochen unterhalb des Kniegelenks durchtrennt und der Unterschenkel dann nach außen gebogen. In leichter Überkorrekturstellung wird der Unterschenkel dann mit einer stabilen Platte und Schrauben fixiert (Abb. 5).

 
Abb. 5: Hohe tibiale Umstellungsoperation mit stabiler Plattenversorgung von medial. Links ist noch die O-Bein Fehlstellung vor der Operation zu erkennen, in der Mitte ist der Korrekturkeil noch gut erkennbar, rechts schon vollständig mit neuem Knochen gefüllt.

Bei der Umstellungsoperation des O-Beins wird bewusst eine Überkorrektur angestrebt, weil dadurch die Langzeitergebnisse am besten sind.

Nachbehandlung

Bereits am ersten Tag nach der Operation kann der Patient mit Krücken aufstehen und in der Krankengymnastikabteilung mit ersten Bewegungsübungen und Lymphdrainage behandelt werden. Diese Teilbelastung mit ungefähr 20 kg dauert ca. 6 Wochen, dann wird anhand einer erneuten Röntgenaufnahme die Belastungssteigerung festgelegt. Vollbelastung ist ca. 3 Monate nach der Operation möglich. Eine Metallentfernung wird nach ca. 18 Monaten empfohlen.

Erfolgsaussichten

Bei genauer Planung und Durchführung der Korrekturoperation kann eine deutliche Besserung der Beschwerden über ca. 10 Jahre erreicht werden. Alltagsaktivitäten und sportliche Aktivitäten können wieder im gewohnten Maße aufgenommen werden. Das eigene Kniegelenk bleibt erhalten. Ausschlaggebend ist jedoch die exakte Durchführung einer leichten Überkorrektur (Abb. 6).

Dennoch kann diese Operation bei schon fortgeschrittenem Gelenkverschleiß das Knie nicht wieder gesund machen.

Bei fortgeschrittener Arthrose führt die Umstellungsoperation zu einer Verbesserung im Sinne einer Verlangsamung der Arthroseentwicklung. Deshalb ist es wichtig, die Operation früh genug durchzuführen, um möglichst lange vom Erhalt des eigenen Gelenkes profitieren zu können.


Abb. 6: Röntgen-Ganzbeinstandaufnahme desselben Patienten nach Tibiakopf-Umstellungsoperation. Die blaue Gerade zeigt die neue mechanische Achse des linken Beines. Die Gerade schneidet das Kniegelenk an der geplanten Stelle knapp außerhalb der Kniegelenksmitte. Der Patient konnte nach 6 Monaten seinen gewohnten sportlichen Aktivitäten wieder nachkommen.