Anatomie
Die Abdominalhöhle dient als Aufbewahrungsort für die Baucheingeweide. Sie wird nach vorne und seitlich von der aus Muskeln und Bindegewebsstrukturen gebildeten Bauchwand begrenzt. Dieses Weichteilsystem ist nicht nur für den Schutz der Abdominalorgane vorgesehen, sondern auch Bestandteil des Atmungs- und Bewegungsapparates.
Eine Hernie ist eine Ausstülpung des Bauchfelles durch eine präformierte oder sekundär entstandene Lücke. Primäre Hernien entstehen im Bereich anatomischer Schwachstellen, den sog. Bruchpforten. Dazu gehören die Leistenregion, der Schenkelkanal und der Nabel. Narbenhernien entwickeln sich dagegen im Bereich von Operationsnarben der Bauchdecke und sind Folge ungenügender Vernarbung. So tritt bei fast jeder 10. großen Bauchoperation ein Narbenbruch auf. Entsprechend der Lokalisation der Hernie erfolgte die Bezeichnung als Leisten-, Nabel-, Schenkel- oder Narbenhernie. Bei den primären Hernien kommt die Leistenhernie mit einer Inzidenz von 2% bei Männern und 0,3% bei Frauen am häufigsten vor. Unabhängig von der Hernienlokalisation können in den Bruch ständig oder vorübergehend intra- oder retroperitoneale Organe verlagert sein.
Nach Ihrer Symptomatologie lassen sich die reponible, die irreponible und die inkarzerierte Hernie unterscheiden.
Reponible Hernie: Bruch mit freier Beweglichkeit des Bruchinhaltes.
Diese Hernien lassen sich spontan oder durch manuelle Reposition in die Bauchhöhle wieder zurückbringen.
Irreponible Hernie: Bruch mit Fixierung des Bruchinhaltes im Bruchpforte.
Dies ist möglich bei Inkarzeration (s.u.), bei Verwachsungen mit dem Bruchsack oder entsprechender Größe der Bruchgeschwulst. Die nicht-inkarzerierte, irreponible Hernie besteht in der Regel über viele Jahre, ist schmerzfrei und schon seit längerer Zeit nicht reponiert worden.
Inkarzerierte Hernie: Bruch mit kritischer Einklemmung des Bruchinhaltes in der Bruchpforte.
Die Brucheinklemmung geht mit starken lokalen Schmerzen einher. Bei Darmbeteiligung kommt es durch die Einklemmung zum Darmverschluss. Eine länger andauernde Inkarzeration führt zur Nekrose der Darmwand mit den Folgen einer Bauchfellentzündung (Peritonitis). Gelingt eine Reposition nicht, so besteht die Indikation zur Notfalloperation. Die Einklemmung des Bruches ist die gefährlichste Komplikation des Bruchleidens. Eine Inkarzeration findet sich ´´am häufigsten bei Schenkelhernien, gefolgt von Leisten-, Nabel- und Narbenhernien.

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