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Interdisziplinäre Gastroenterologie u. Kolorektale Chirurgie


Bereichsleiter: Prof. Dr. Siebeck, Prof. Dr. Hallfeldt

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auf die einzelnen Untersuchungen

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Mastdarmkrebs – Rektumkarzinom

Einleitung
Was ist Krebs?
Dickdarm und Mastdarm
Mastdarmkrebs und Dickdarmkrebs
Risikofaktoren für Mastdarmkrebs
Reduktion des Risikos
Früherkennung von Darmkrebs
Anzeichen (Symptome) von Darmkrebs
Feststellung von Darmkrebs
Stadien des Mastdarmkrebses
Feststellung des Tumorstadiums

Behandlung des Mastdarmkrebses
Chirurgie
Chemotherapie
Strahlentherapie
Radiochemotherapie
Klinische Studien
Nebenwirkungen
Tumornachsorge
Emotionale Unterstützung

© Prof. Dr. Matthias Siebeck

Einleitung

Die Diagnose Mastdarmkrebs oder Rektumkarzinom wirft viele Fragen auf und verlangt nach klaren, verständlichen Antworten. Dazu geben wir Hinweise auf die Symptome, Erkennung, Diagnostik, Behandlung, Ursachen und Verhütung des Mastdarmkrebses. Mit diesen wichtigen Informationen soll es Patienten und ihren Angehörigen erleichtert werden, mit der Erkrankung und allem, was dadurch auf sie zukommt, umzugehen.

Dickdarmkrebs und Mastdarmkrebs gehören zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Sie kommen sowohl bei Männern als auch bei Frauen vor, am häufigsten bei Personen über 50 Jahren.




Was ist Krebs?

Krebs befällt die Zellen, die lebendigen Einheiten des menschlichen Körpers. Der Körper besteht aus vielen verschiedenen Zelltypen. Normalerweise wachsen Zellen und teilen sich. So produzieren sie gerade so viele Zellen wie notwendig sind, um den Körper gesund und funktionsfähig zu erhalten. Allerdings läuft die Zellteilung manchmal fehl: Zellen vermehren sich, obwohl sie nicht benötigt werden. Diese zusätzlich gewachsenen Zellen bilden eine Geschwulst oder auch Tumor. Tumoren sind entweder gutartig oder bösartig.

Gutartige Tumore sind nicht Krebs. Sie können entfernt werden und kommen in den meisten Fällen nicht wieder. Zellen aus gutartigen Tumoren breiten sich nicht auf andere Körperteile aus. Gutartige Tumore sind nur selten lebensbedrohlich. Gutartige Tumore im Darm nennt man auch Polypen.

Bösartige Tumore sind Krebs. Zellen in bösartigen Tumoren sind abnormal und teilen sich ohne Kontrolle. Diese Krebszellen können in die benachbarten Gewebe und Organe eindringen und sie zerstören. Krebszellen können sich vom bösartigen Tumor lösen und über Blutgefäße oder Lymphgefäße im Körper ausbreiten. Krebszellen können sich in Lymphknoten oder anderen Organen festsetzen und dort beginnen, sich ohne Kontrolle zu teilen. Dadurch kann sich der Krebs ausbreiten und an einer anderen Stelle als dem Ursprungsort wachsen. Man spricht dann von einer Tochtergeschwulst oder einer Metastase, im Unterschied zum Primärtumor.



Dickdarm und Mastdarm

Dickdarm und Mastdarm sind Teile des Verdauungssystems, das Nährstoffe aus der Nahrung aufnimmt und Abfallstoffe aus dem Körper hinausbefördert. Zusammen bilden sie einen langen muskulären Schlauch. Der Dünndarm transportiert den Darminhalt vom Magen in den Dickdarm. Der Dickdarm (Kolon) ist etwa 1.50 m lang, der Mastdarm (Rektum) etwa 16 cm. Der Mastdarm geht über in den After (Anus). Der After verschließt mit Hilfe des Schließmuskels das Ende des Mastdarms, um den Darminhalt zurückzuhalten, bzw. öffnet sich zur Darmentleerung.



Mastdarmkrebs und Dickdarmkrebs

Ein Krebs, der im Dickdarm entsteht, heißt Dickdarmkrebs oder Kolonkarzinom. Ein Krebs, der im Mastdarm entsteht, heißt Mastdarmkrebs oder Rektumkarzinom. Entscheidend für die Unterscheidung zwischen den beiden Tumoren ist der Abstand vom After. Die Krebszellen, aus denen diese beiden Tumore bestehen, sind unter dem Mikroskop und von ihren biologischen Eigenschaften her einander sehr ähnlich, deswegen kann man beide Erkrankungen zusammenfassen unter dem Begriff Darmkrebs oder kolorektales Karzinom. Allerdings gibt es Unterschiede in der Behandlung dieser beiden Krebse, die durch die Nähe des Mastdarms zum Schließmuskel beding sind. In diesem Aufsatz wird in erster Linie auf den Mastdarmkrebs eingegangen.

Es können auch Krebse in benachbarten Organen entstehen und auf den Mastdarm bzw. Dickdarm übergreifen, z. B. Eierstockkrebs bei der Frau (Ovarialkarzinom), Krebs der Vorsteherdrüse beim Mann (Prostatakarzinom) oder Afterkrebs bei beiden Geschlechtern (Analkarzinom). Die Unterscheidung gelingt meistens durch feingewebliche Untersuchung (Histologie) einer Gewebeprobe unter dem Mikroskop. Manchmal sind zusätzliche Untersuchungen des Gewebes notwendig, z. B. mit Antikörpern gegen bestimmte charakteristische Moleküle auf der Oberfläche der Krebszelle (immunhistologische Färbung). Wegen der unterschiedlichen Behandlung der verschiedenen Tumortypen ist die genaue feingewebliche Diagnose besonders wichtig.



Risikofaktoren für Mastdarmkrebs

Die genauen Ursachen des Mastdarmkrebses sind noch nicht bekannt. Aus Untersuchungen an großen Zahlen von Patienten sind allerdings gewisse Risikofaktoren bekannt. Risikofaktoren erhöhen die Chance für eine Person, einen Mastdarmkrebs zu bekommen.

  • Alter. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit, einen Mastdarmkrebs zu bekommen. Bei Personen über 50 Jahren ist die Krankheit häufiger. Allerdings kann Mastdarmkrebs auch bei jungen Menschen auftreten, sogar bei Kindern.

  • Ernährung. Mastdarmkrebs kommt häufiger vor bei Menschen, die sich mit reichlich Kalorien und Fett ernähren oder die nur wenig pflanzliche Fasern zu sich nehmen.

  • Rauchen. Mastdarmkrebs kommt bei Zigarettenrauchern häufiger vor als bei Nichtrauchern.

  • Polypen. Polypen sind gutartige Tumore der Schleimhaut des Mastdarms. Bei Personen über 50 Jahren sind sie relativ häufig. Polypen können entarten und dann bösartig werden. Die meisten Polypen sind viele Jahre lang gutartig, bevor sie in Krebs übergehen.
    Es gibt eine seltene Erbkrankheit, die familiäre Polyposis, bei der sich Hunderte von Polypen im gesamten Magen-Darm-Trakt bilden können. Unbehandelt führt diese Erkrankung fast immer zur Entstehung von Darmkrebs.

  • Persönliche medizinische Vorgeschichte. Frauen mit Eierstockskrebs, Gebärmutterkrebs oder Brustkrebs in ihrer Vorgeschichte haben eine etwas erhöhte Chance, einen Darmkrebs zu bekommen. Männer und Frauen mit Darmkrebs in der Vorgeschichte haben auch nach Heilung von der Erkrankung ein erhöhtes Risiko, Darmkrebs erneut zu bekommen.

  • Medizinische Familiengeschichte. Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder) einer Person mit Darmkrebs haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls Darmkrebs zu bekommen, insbesondere, wenn diese Person bei Beginn der Erkrankung sehr jung war. Wenn mehrere Familienmitglieder Darmkrebs haben, steigt die Wahrscheinlichkeit weiter.

  • Colitis ulcerosa. Colitis ulcerosa ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Patienten, die über viele Jahre an Colitis ulcerosa leiden, haben eine höhere Chance, Darmkrebs zu entwickeln.


Risikofaktoren für Darmkrebs

  • Alter
  • Ernährung
  • Rauchen
  • Polypen
  • Persönliche Vorgeschichte
  • Medizinische Familiengeschichte
  • Colitis ulcerosa


Das Vorhandensein eines oder mehrerer Risikofaktoren führt nicht automatisch zur Krebsentstehung, sondern erhöht nur die Chancen. Vielleicht möchten Sie mit einem Arzt über Ihre Risikofaktoren sprechen, oder über Möglichkeiten, Ihr persönliches Risiko zu reduzieren oder Vorsorge oder Früherkennung zu betreiben.



Reduktion des Risikos

Es wird vermutet, daß Darmkrebs sich aus Polypen entwickelt. Frühzeitige Entdeckung und Entfernung von Polypen hilft eventuell, die Entstehung von Darmkrebs zu verhindern. Zur Zeit wird im Rahmen von wissenschaftlichen Studien untersucht, ob Raucherentwöhnung, Aspirin oder ähnliche Medikamente, verminderter Alkoholkonsum oder vermehrte körperliche Aktivität das Risiko für Darmkrebs reduzieren. Einige Forscher glauben, daß durch fettarme und faserreiche Ernährung das Risiko für Darmkrebs vermindert werden kann.

Veränderungen in bestimmten Genen (Einheiten der Erbinformation) können ebenfalls das Krebsrisiko erhöhen. Für Personen aus Familien mit mehreren Darmkrebspatienten kann eine genetische Beratung sinnvoll sein.



Früherkennung von Darmkrebs

Personen, die einen oder mehrere der im Abschnitt "Risikofaktoren für Mastdarmkrebs" genannten Riskofaktoren aufweisen, sollten mit ihrem Arzt besprechen, wann mit Vorsorgeuntersuchungen begonnen wird, welche Untersuchung dabei durchgeführt werden und wie oft. Dafür kommen die unten genannten Untersuchungen in Frage. Man kann damit Polypen oder Krebs entdecken, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen.

Untersuchung auf okkultes (verstecktes) Blut im Stuhl. Manchmal kommt es zu einer schwachen Blutung aus einem Polypen oder aus Darmkrebs, die mit dem unbewaffneten Auge zwar nicht erkannt werden kann, jedoch mit dem Test auf okkultes Blut.

Eine Rektosigmoidoskopie ist eine Spiegelung von Mastdarm und letztem Abschnitt des Dickdarms vor dem Mastdarm (Sigma) mit einem flexiblen Sigmoidoskop.

Eine Koloskopie ist die Spiegelung des gesamten Mastdarms und Dickdarms bis zur Einmündung des Dünndarms mit einem flexiblen Koloskop.

Ein Röntgen-Kontrasteinlauf ist eine Röntgenuntersuchung, bei der ein kontrastmittelhaltiger Brei in den Dickdarm eingefüllt wird.

Bei der Tastuntersuchung des Mastdarms führt der Arzt einen Finger durch den After ein, um so After und Mastdarm zu untersuchen.



Anzeichen (Symptome) von Darmkrebs

Häufig sind folgende Zeichen für Darmkrebs:

  • Wechsel der Stuhlgewohnheiten
  • Durchfall, Verstopfung, Gefühl der unvollständigen Entleerung
  • Blut im Stuhl
  • Stuhl so dünn wie ein Bleistift
  • Unwohlsein, Blähungen, Völlegefühl, Krämpfe
  • Gewichtsverlust
  • Abgeschlagenheit
  • Erbrechen


Diese Symptome können durch Darmkrebs, aber auch durch andere Krankheiten hervorgerufen werden. Sie sollten einen Arzt konsultieren. Vor allem aber sollten Sie rasch einen Arzt konsultieren, wenn Sie eine Blutung bemerken. Viele Patienten glauben, daß die Blutung auf Hämorrhoiden zurückgeht und wiegen sich in Sicherheit. Es dauert im Schnitt 3 Monate, bis ein Patient mit den oben genannten Zeichen einen Arzt aufsucht. Hierdurch geht wertvolle Zeit verloren. Nur ein Arzt kann unterscheiden, ob bei Ihnen Darmkrebs oder eine harmlose Ursache für die Blutung vorliegt. Wenn Ihr Arzt Sie nicht untersucht, oder ohne eine Untersuchung ein Rezept über Hämorrhoidensalbe ausstellt, geht weitere wertvolle Zeit verloren, im Schnitt noch einmal 3 Monate. Wenn Ihr Arzt Sie nicht untersuchen kann, ohne Ihnen weh zu tun, lassen Sie sich am besten eine Überweisung geben und gehen zu einem Arzt, der die Technik der schmerzfreien Untersuchung von After und Mastdarm beherrscht und Sie über eine eventuelle notwendige Darmspiegelung (Koloskopie) beraten kann.

Es ist ein wichtiges Ziel, daß in Deutschland, einem Land mit einem sehr hohen Standard der medizinischen Versorgung und einer hohen Ärztedichte, Fälle von Mastdarmkrebs früher erkannt werden. Im Moment dauert es durchschnittlich 6 Monate zwischen dem erstmaligen Auftreten von Beschwerden, die an Mastdarmkrebs denken lassen, und Beginn der Behandlung.



Feststellung von Darmkrebs

Um auf die Ursache Ihrer Beschwerden zu kommen, spricht Ihr Arzt mit Ihnen über Ihre Vorgeschichte und untersucht Sie körperlich. Weiterhin sind apparative Untersuchungen notwendig:

Röntgenuntersuchungen des Darms, z. B. Röntgen-Kontrasteinlauf oder Computertomographie, können Polypen und andere Veränderungen nachweisen.

Eine Rektosigmoidoskopie ist eine Spiegelung von Mastdarm und letztem Abschnitt des Dickdarms vor dem Mastdarm (Sigma) mit einem flexiblen Sigmoidoskop. Durch das flexible Sigmoidoskop können Polypen abgetragen und Proben aus einem Tumor entnommen werden. Hinweise zur Darmvorbereitung vor der Rektosigmoideoskopie finden Sie hier.

Eine Koloskopie ist die Spiegelung des gesamten Mastdarms und Dickdarms bis zur Einmündung des Dünndarms mit einem flexiblen Koloskop. Durch das flexible Koloskop können Polypen abgetragen und Proben aus einem Tumor entnommen werden. Hinweise zur Darmvorbereitung vor der Koloskopie finden Sie hier.

Unter Polypektomie versteht man das Abtragen eines Polypen mittels Rektosigmoidoskopie oder Koloskopie. Der Polyp oder die Polypen werden anschließend vom Pathologen feingeweblich untersucht. Diese Untersuchung liefert die Unterscheidung zwischen gutartig und bösartig.

Unter Biopsie versteht man die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe, z. B. aus einem Tumor oder einer Entzündung oder einem auffälligen Bezirk. Die Gewebeprobe wird anschließend vom Pathologen feingeweblich untersucht. Diese Untersuchung liefert die Unterscheidung zwischen gutartig und bösartig.



Stadien des Mastdarmkrebses

Wenn die Diagnose Krebs gesichert ist, muß als nächstes das Stadium der Erkrankung festgestellt werden. Es muß untersucht werden, wie fortgeschritten die Krebserkrankung ist, ob der Krebs sich in benachbarte Organe, in Lymphknoten oder in weiter entfernte Organe wie Leber oder Lunge ausgebreitet hat (Metastasen). Dazu dienen die unten aufgeführten Untersuchungen.

Stadium 0. Es handelt sich um eine Vorstufe von Krebs. Es finden sich Tumorzellen lediglich in der innersten Schicht des Mastdarms, der Schleimhaut (Carcinoma in situ).

Stadium 1. Der Tumor befällt die innerste Schicht des Mastdarms, die Schleimhaut, sowie die Muskelschicht.

Stadium 2. Der Tumor befällt nicht nur die Schleimhaut und die Muskelschicht, sondern auch das Fettgewebe um den Mastdarm sowie möglicherweise benachbarte Organe, wie z. B. die Gebärmutter oder die Prostata.

Stadium 3. Die für den Mastdarm zuständigen Lymphknoten sind mit Tumor befallen (Lymphknotenmetastasen).

Stadium 4. Der Krebs hat sich in andere, entfernt liegende Organe ausgebreitet wie z. B. Leber oder Lunge (Fernmetastasen).

Rezidiv. Rezidiv bedeutet, daß der Krebs nach zunächst erfolgreicher Behandlung wieder auftritt, entweder an der ursprünglichen Stelle oder in entfernt liegenden Organen.



Feststellung des Tumorstadiums

Zur Feststellung des Tumorstadiums von Mastdarmkrebs vor Beginn der Behandlung können die unten aufgeführten Untersuchungen angezeigt sein.


Das endgültige Tumorstadium wird durch die mikroskopische Beurteilung des vom Chirurgen entfernten Gewebes (des Operationspräparates) durch den Pathologen festgelegt.



Behandlung des Mastdarmkrebses

Die Behandlung hängt von verschiedenen wichtigen Punkten ab: Größe, Lokalisierung, Stadium des Tumors und allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten, d.h. Eignung für Narkose und Operation. Bei der Planung der Behandlung sind verschiedene Spezialisten beteiligt: Chirurg, Gastroenterologe, Pathologe, Onkologe und Strahlentherapeut. Mehrere Arten der Behandlung kommen in Frage: chirurgische Operation, Bestrahlung und Chemotherapie (medikamentöse Behandlung). Häufig werden mehrere Verfahren kombiniert angewendet. Neue Methoden müssen im Rahmen von klinischen Studien erprobt werden. Fast alle Patienten können und müssen operiert werden. Nach der Operation folgt häufig ein Aufenthalt auf einer Intensivstation, besonders bei Patienten, die gleichzeitig an anderen Erkrankungen leiden.


Chirurgie

Die häufigste Methode, einen Mastdarmkrebs zu entfernen, besteht in einer chirurgischen Operation durch einen Bauchschnitt (anteriore Rektumresektion). Entsprechend den Standards der Krebschirurgie wird der erkrankte Mastdarm mit Sicherheitszonen von gesundem Gewebe nach allen Richtungen und mit allen Lymphknoten entfernt. In der Regel kann danach der Darm wieder so zusammengenäht werden, daß die Stuhlpassage möglich ist.

Falls die Stuhlpassage nicht wieder hergestellt werden kann, z.B. weil der Schließmuskel mit Tumor befallen ist und nicht erhalten werden kann, muß der Stuhl durch einen künstlichen After (Kolostomie) ausgeleitet werden (abdomino-perineale Rektumresektion). Der Patient muß dann einen speziellen Klebebeutel am Körper tragen, mit dem der Stuhl aufgefangen wird.

Bei einigen Patienten muß vorübergehend eine Stuhlableitung gemacht werden, um eine problemlose Abheilung der Darmnaht zu ermöglichen. Für diesen Zweck wird heutzutage der Dünndarm ausgeleitet (Ileostomie). In dieser Situation kann die Stuhlausleitung nach 6 Wochen wieder rückgängig gemacht werden.

Nur bei Patienten mit einem frühen Tumorstadium ist es möglich und ausreichend, den Krebs ohne Eröffnung des Bauches durch den After herauszuoperieren (peranale endoskopische Resektion). Dies ist ein spezielles Verfahren, das nicht an allen Krankenhäusern üblich ist.

Sobald alle Untersuchungen zur Feststellung des Tumorstadiums und zur Feststellung der Belastbarkeit von Herz und Kreislauf durchgeführt sind, wird der Chirurg mit dem Patienten über die Wahl des optimalen Operationsverfahrens sprechen.

Auch im Bereich der Chirurgie zur Behandlung von Mastdarmkrebs hat es in den letzten Jahren erhebliche Verbesserungen der Operationstechnik gegeben. Wichtige Neuerungen betreffen die Schonung der Nerven, die zu den Geschlechtsorganen und den Harnorganen führen, und die vollständige, schichtgerechte Ausräumung des Fettkörpers, der den Mastdarm umhüllt und sowohl Lymphknoten als auch mikroskopisch kleine Tumorzellnester enthalten kann (totale Mesorektum-Exzision). Die Reservoirfunktion des letzten Mastdarmabschnitts vor dem Schließmuskel kann durch eine Dickdarmtasche ("pouch") ersetzt werden.




Chemotherapie

Unter Chemotherapie versteht man die Behandlung mit Krebsmedikamenten, die Krebszellen hemmen oder abtöten. Chemotherapie kann aus mehreren Gründen gegeben werden:

  • zur Zerstörung von Krebszellen, die nach einer Operation irgendwo im Körper versteckt nisten und später zur Bildung von Metastasen führen können (adjuvante Chemotherapie),
  • zur Hemmung von Tumorwachstum und zur Linderung von Beschwerden (palliative Chemotherapie).

Die meisten Krebsmedikamente werden intravenös verabreicht, um über den Blutstrom den ganzen Körper zu erreichen, es handelt sich somit bei der Chemotherapie um eine systemische Therapie. Dazu muß ein dünnes Plastikröhrchen (Venenkatheter) in eine Vene eingeführt werden. Einige Krebsmedikamente können in Form von Tabletten verabreicht werden. Chemotherapie wird meistens in zeitlich genau festgelegten Protokollen in wiederkehrenden Zyklen gegeben. Bei Mastdarmkrebs ist es sinnvoll, die Chemotherapie mit Strahlentherapie kombiniert zu verabreichen (siehe Radiochemotherapie).




Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie oder Radiotherapie werden energiereiche Röntgenstrahlen zur Abtötung von Krebszellen verwendet. Bei der Strahlentherapie handelt es sich um eine lokale Therapie, d.h. nur die Krebszellen im bestrahlten Gebiet werden abgetötet.

Es gibt verschiedene Einsatzmöglichkeiten für die Strahlentherapie:

Man kann große Tumoren vor einer Operation bestrahlen, um sie zu verkleinern (neoadjuvante Bestrahlung).

Man kann nach einer Operation die Bestrahlung vornehmen, um verbliebene Krebszellen abzutöten (adjuvante Bestrahlung).

Die Bestrahlung kann auch eingesetzt werden, um Beschwerden durch den Krebs zu lindern (palliative Bestrahlung).

Bei Mastdarmkrebs wird die Bestrahlung meistens mit einer Maschine von außen gemacht (externe Bestrahlung), selten wird eine Bestrahlung von innen gemacht (Kontaktbestrahlung). Bei Mastdarmkrebs ist es sinnvoll, die Strahlentherapie mit Chemotherapie kombiniert zu verabreichen (siehe Radiochemotherapie).

Die Bestrahlung wird fraktioniert, d.h. in Raten, gegeben. Üblich sind hierbei ca. 25 Sitzungen, die sich über einen Zeitraum von 6 Wochen erstrecken. Die Bestrahlung kann ambulant gemacht werden.




Radiochemotherapie

Man spricht von Radiochemotherapie, wenn Strahlentherapie und Chemotherapie noch einem genau festgelegten Protokoll kombiniert verabreicht werden. Dies ist besonders beim Mastdarmkrebs sinnvoll, weil hier die Kombination der systemischen Therapie (Chemotherapie wirkt auf Krebszellen im gesamten Körper) und der lokalen Therapie (Strahlentherapie wirkt auf Krebszellen im bestrahlten Gebiet) zu einer Steigerung der Wirkung ohne eine gleichzeitige Steigerung der Nebenwirkungen führt.

Die Radiochemotherapie kann vor einer Operation gemacht werden, um einen Tumor zu verkleinern oder in ein niedrigeres Tumorstadium zurückzuführen (neoadjuvante Radiochemotherapie).

Die Radiochemotherapie kann nach einer Operation verabreicht werden, um verbliebene Krebszellen abzutöten (adjuvante Radiochemotherapie).

Die Radiochemotherapie kann auch eingesetzt werden, um Beschwerden durch den Krebs zu lindern (palliative Radiochemotherapie).

Wenn durch Feststellung des Tumorstadiums vor Beginn der Behandlung eine Radiochemotherapie angezeigt ist, sollte man die Radiochemotherapie vor der Operation machen, weil sie dann meistens besser vertragen wird als nach der Operation.

Die Bestrahlung im Rahmen der kombinierten Radiochemotherapie wird fraktioniert, d.h. in Raten, gegeben. Üblich sind hierbei ca. 25 Sitzungen, die sich über einen Zeitraum von 6 Wochen erstrecken. Die Bestrahlung kann ambulant gemacht werden, und es gibt die Möglichkeit, auch die Chemotherapie ambulant zu verabreichen.



Klinische Studien

Um neue und bessere Formen der Krebstherapie zu erproben, müssen ethisch und rechtlich einwandfreie klinische Studien unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt werden. Dies ist besonders für Patienten mit Mastdarmkrebs sinnvoll.

In einigen Arten von klinischen Studien bekommen alle Patienten eine neue Form der Behandlung. In anderen Arten von klinischen Studien wird eine vielversprechende neue Behandlung mit einer herkömmlichen Behandlung verglichen. Dabei wird nicht nur auf den Nutzen einer neuen Therapie, sondern auch auf Nebenwirkungen geachtet.

Da unbewußte Erwartungen der Patienten wie der Ärzte eine Auswirkung auf das Ergebnis der Studie haben können, muß das Los über die Zuteilung des einzelnen Patienten zu der Behandlungsgruppe entscheiden (randomisierte Studie).

Ein weiteres Qualitätsmerkmal von klinischen Studien ist die Verblindung: der Patient weiß nicht, ob er die neue Behandlung oder die Standardbehandlung erhält. Von Doppelt-Blindstudie spricht man, wenn weder der Patient noch der behandelnde Arzt, sondern lediglich die Studienzentrale und der Apotheker wissen, ob der Patient die neue Behandlung oder die Standardbehandlung erhält.



Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen hängen von der Art der Behandlung ab und sind bei jedem Patienten unterschiedlich. Die meisten Nebenwirkungen sind vorübergehend. Ärzte und Krankenschwestern können Ihnen die Nebenwirkungen erläutern. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie bei sich Nebenwirkungen einer Krebstherapie vermuten. In den meisten Fällen gibt es Möglichkeiten, Ihre Beschwerden zu lindern.

Chirurgie: Nach jeder Operation entstehen Schmerzen und Druckschmerz im Bereich der Wunde. Nach Operationen wegen Mastdarmkrebs kann es zu Durchfällen und Problemen mit der Stuhlentleerung kommen. Nach Anlegen eines vorübergehenden oder bleibenden künstlichen Darmausgangs kann es zu Reizungen der Haut kommen. Außer Ärzten und Krankenschwestern kennen sich Stomatherapeuten mit der Behandlung von Problemen mit dem künstlichen Darmausgang aus.

Chemotherapie: Krebsmedikamente beeinflussen sowohl Krebszellen als normale Zellen des Körpers. Die Nebenwirkungen hängen vor allem von der Art des Krebsmedikaments und von der Dosierung (Menge) ab. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Geschwüre an der Schleimhaut im Mund, Durchfälle und allgemeine Mattigkeit. Schwere Nebenwirkungen wie Infektionen oder Blutungen sind selten.

Strahlentherapie: Die Bestrahlung beeinflusst sowohl Krebszellen als auch normale Zellen des Körpers. Die Nebenwirkungen hängen von der bestrahlten Körperregion und der Menge an Strahlung (Strahlendosis) ab. Häufige Nebenwirkungen der Bestrahlung sind allgemeine Mattigkeit, Sonnenbrand und Hautveränderungen im Bereich der Bestrahlung, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle. Bestrahlung des Mastdarms kann zu Blutungen aus dem Mastdarm (blutigem Stuhl) führen.



Tumornachsorge

Die Nachsorge nach der ersten Behandlung wegen Mastdarmkrebs ist ein wichtiger Bestandteil der gesamten Therapie. Sie dreht sich um Erkennung und Behandlung von Tumorrückfall (Rezidiv) sowie von Nebenwirkungen der Therapie. Untersuchungen im Rahmen der Tumornachsorge werden in unterschiedlicher Häufigkeit über einen Zeitraum von normalerweise 5 Jahren durchgeführt. Bei Patienten mit niedrigem Risiko eines Tumorrückfalls (Rezidiv) sind Untersuchungen weniger oft nötig als bei Patienten mit hohem Risiko eines Tumorrückfalls. Das Rezidivrisiko ist abhängig vom Tumorstadium, das der Pathologe bei der Untersuchung des vom Chirurgen entfernten Gewebes festgestellt hat.

Folgende Untersuchungsmethoden werden bei der Tumornachsorge eingesetzt: ärztliches Gespräch, körperliche Untersuchung, Test auf okkultes Blut, Tastuntersuchung des Afters, Proktoskopie, Rektosigmoidoskopie, Koloskopie, endorektale Ultraschalluntersuchung, Unterschalluntersuchung des Bauches und der Leber, Röntgenaufnahme der Leber, Blutuntersuchung einschließlich Tumormarker, Computertomographie der Beckenorgane mit Gabe von Kontrastmittel.

Auch außerhalb der regelmäßigen Untersuchungen im Rahmen der Tumornachsorge sollten Sie Ihren Arzt informieren, wenn Sie gesundheitliche Veränderungen an sich bemerken.



Emotionale Unterstützung

Das Leben mit ernsten Erkrankungen wie z. B. Krebs stellt eine große Herausforderung dar. Abgesehen von der eigentlichen Krebserkrankung mit den krankheitsbedingten und therapiebedingten Erscheinungen beeinträchtigen Sorgen, negative Gefühle und Ungewißheiten das Leben. Häufig existieren kein Lebenspartner und keine Familie, die Unterstützung geben können. Einige Patienten finden Unterstützung durch ihre Kirchengemeinde. Andere Patienten benötigen professionelle Hilfe, um damit zurechtzukommen. Außer den Ärzten, Krankenschwestern, Seelsorgern und Sozialarbeitern im Krankenhaus können Hausärzte, Stomatherapeuten und das Arbeitsamt Hilfe vermitteln.

Eine wichtige Stütze bei praktischen und emotionalen Problemen können andere Menschen bieten, die ähnliche Probleme haben, d.h. andere Patienten. Hierfür steht Hilfe in Patienten-Selbsthilfegruppen zur Verfügung.

Einige Patienten entwickeln eine Depression, die so schwer ist, daß ein Psychiater helfen muß, sei es mit Gesprächen oder mit Medikamenten.



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