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Einleitung
Der Leistenbruch (= Leistenhernie) ist eine recht häufige Erkrankung. Er tritt besonders häufig bei Kindern, im jungen Erwachsenenalter und dann wieder beim älteren Menschen auf. Jährlich erkranken etwa 0,5 % der Bevölkerung neu an einem Leistenbruch, davon sind ca. 80 % Männer.

Was ist ein Leistenbruch?
Bei einem Leistenbruch kommt es zur Ausstülpung von Bauchfell (= Bruchsack), manchmal auch Eingeweideanteilen (= Bruchsackinhalt), durch eine Bauchwandlücke (= Bruchlücke oder Bruchpforte) in den Leistenkanal hinein.
Man unterscheidet direkte Hernien (immer erworben) und indirekte Hernien (können angeboren oder erworben sein).


Welchen Krankheitswert hat der Leistenbruch?
Ein Leistenbruch kann nicht nur ständige oder belastungsabhängige Beschwerden verursachen, es bestehen zudem Komplikationsmöglichkeiten. Durch Einklemmung von Darm (oder seltener anderen Organen) kann es zu einer Ernährungsstörung bis zum Absterben des Darmes und Durchbruch (Perforation) oder zu einem Darmverschluß kommen. Ein Leistenbruch sollte daher in der Regel operativ behandelt werden.

Ursachen eines Leistenbruches
Nur selten ist ein klarer Grund für den Bruch auszumachen. Angeschuldigt wird meist eine Bindegewebsschwäche im Bereich der Bauchwand, die erworben oder angeboren sein kann. Ein zusätzlich begünstigender Faktor ist ein erhöhter Druck im Bauchraum, wie er z.B. bei chronischem Husten, Pressen bei längerdauernder Verstopfung oder auch in der Schwangerschaft auftreten kann. Auch Lebererkrankungen oder Tumoren in der Bauchhöhle können einen Leistenbruch begünstigen, ebenso wie extremes Übergewicht (Adipositas).

Komplikationen
Wie bereits unter "Welchen Krankheitswert hat ein Leistenbruch" angedeutet, ist die bedeutsamste Komplikation eines nichtbehandelten Leistenbruches die Einklemmung von Organen des Bauchraums in der Bruchlücke. Hiervon ist am häufigsten der Darm betroffen, der durch die Einklemmung entweder in seiner Nährversorgung über das Blut gestört wird und deshalb abstirbt und durchbricht (perforiert) oder aber so abgenickt wird, daß der Speisebrei nicht mehr passieren kann (Darmverschluß, Ileus).

Seltener werden auch andere Organe in der Bruchlücke eingeklemmt, wie etwa der Eierstock, die Harnblase oder das große Netz (ein überwiegend aus Fett bestehendes Gewebe im Bauchraum).
Ist der Bruchsack bzw. der Bruchsackinhalt eingeklemmt, so muß in der Regel sofort operiert werden. Auch nach geglückter Reposition (Zurückdrücken des Bruchsacks) kann der Darm so schwer geschädigt sein, daß operiert werden muß.

Diagnostik
Meistens macht sich ein Leistenbruch durch Vorwölbung in der Leistengegend bemerkbar, die oft unter Belastung (z.B. beim Sport, beim Toilettengang usw.) auftritt und sich eventuell wieder vorsichtig zurückdrücken läßt. Außerdem kann es zu Schmerzen im Bereich des Bruches kommen, die ausstrahlen und belastungsabhängig sein können.
Der Arzt kann den Leistenbruch am besten bei einer körperlichen Untersuchung feststellen. Neben den oben beschriebenen Anzeichen kann er (bei Männern) den Leistenkanal austasten und feststellen, ob sich bei Husten und Pressen der Bruch deutlicher fühlen läßt. Außerdem kann er durch Tasten und mit dem Stethoskop feststellen, ob der Bruch bereits eingeklemmt ist und ob sich Darm im Bruchsack befindet. Durch Betasten des Hodensacks läßt sich feststellen, ob ein Wasserbruch des Hodensacks (Hydrozele) vorliegt.
Eventuell kann der Arzt die Diagnose eines Leistenbruches mittels der Ultraschalluntersuchung bestätigen, diese ist besonders bei noch kleinen Brüchen hilfreich.
Andere Untersuchungsmethoden (wie etwa CT, Röntgen usw.) werden nur in Ausnahmefällen herangezogen.

Behandlung von Leistenbrüchen
Die Methode der Wahl ist heute in praktisch allen Fällen die Operation; auf eine Operation wird nur noch dann verzichtet, wenn das Risiko für eine Operation zu hoch ist.
Nicht-operative Behandlung
Bruchband: das Bruchband wurde früher oft verwendet, allerdings drängt es nur den bestehenden Bruch zurück, verhindert also bestenfalls seine weitere Ausbreitung. Auf keinen Fall kann es den Leistenbruch kurieren, deshalb wird es heute nur noch in Ausnahmefällen verwendet.
"Zurückdrängen" (Reposition) des Bruches: solange das Zurückdrängen schmerzlos möglich ist, kann es vom Patienten selbst durchgeführt werden; trotzdem sollte ein Arzt aufgesucht werden, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ist die Reposition nur noch unter großen Schmerzen oder gar nicht mehr möglich, muß sofort ein Arzt konsultiert werden: hier ist die Gefahr groß, daß der Bruch eingeklemmt ist.
Operationen
Es gibt viele verschiedene Operationstechniken, um einen Leistenbruch zu reparieren. Wir praktizieren zur Zeit routinemäßig drei verschiedene Methoden, die die besten Ergebnisse hervorbringen:
Methode nach Shouldice: hierbei wird durch einen Schnitt von außen die die Hinterwand des Leistenkanals im Bereich des Bruches übereinandergelegt (gedoppelt) und so vernäht; dadurch wird die Bauchwand an dieser Stelle verstärkt. Diese Methode geht zurück auf das Verfahren nach Bassini, das heute auch noch angewandt wird. Der Vorteil beider Verfahren ist, daß, abgesehen von den Nähten, nur körpereigenes Material verwendet wird. Bei beiden Verfahren kann es Durchblutungsstörungen des Hodens geben.
Methode nach Lichtenstein: auch hier erfolgt die Operation über einen Schnitt von außen, es wird ein gewebeverträgliches Kunststoffnetz vor die Bauchwand gelegt und angenäht. Die Bauchwand wird so an der Stelle des Bruches verstärkt, durch das Fremdgewebe wird langfristig eine innere Vernarbung angeregt. Vorteil dieser Methode ist, daß das Gewebe nicht unter Spannung zusammengebracht wird, wie es bei den Methoden nach Shouldice und Bassini der Fall ist; dadurch entstehen weniger Schmerzen. Ein Nachteil ist, daß körperfremdes Material eingebracht wird. Wenn das Netz sich infiziert, muß es entfernt werden.
TAPP-Methode (transperitoneal-präperitoneale endoskopische Methode): auch als "Schlüsselloch-Chirurgie" bekannte Methode; hier werden über drei, nur wenige Zentimeter große Schnitte die Instrumente und eine stabförmige Kamera eingebracht und vom Bauchraum aus ein Kunststoffnetz unter das Bauchfell vor die Bruchlücke eingelegt. Vorteil hier ist das kosmetisch günstige Ergebnis und die geringen Schmerzen nach der Operation. Nachteil ist, daß bei diesem Verfahren die Bauchhöhle eröffnet wird, was die Verletzung von inneren Organen möglich macht (allerdings nur sehr selten). Dieses Verfahren wird bei wiederkehrenden Leistenbrüchen (Rezidiven) bevorzugt, da durch die Vernarbung nach der vorangegangenen Operation ein Zugang von außen erschwert ist und damit das Risiko einer Verletzung des Samenstrangs birgt. Die Vorteile und Nachteile der Netzeinlage gelten ebenso wie bei der Lichtenstein-Methode (siehe dort).

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